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Von der Schokoladenseite

VON SUSANN SALZMANN, 13.11.11, 18:11h, aktualisiert 13.11.11, 18:47h


Reinhard Kubeyka zeigt seinem Enkel Lukas, worauf es bei der Kaninchenzucht ankommt. Der Sechsjährige will bald in die Fußstapfen seines Großvaters treten und selbst Kaninchen züchten. (FOTO: MAIK SCHUMANN)

NIEDERRÖBLINGEN/MZ. Wer Models auf dem Laufsteg erleben wollte, der musste am Wochenende in Niederröblingen Station machen. Wer das tat, konnte 396 Schönheiten in Augenschein nehmen. Tierische Schönheiten. Denn 88 Aussteller präsentierten am Samstag und am Sonntag 396 Rassekaninchen im ehemaligen Speisesaal des Schachtes. Und die Tiere zeigten von ihrer Schokoladenseite.

Sieben Preisrichter nahmen zur 53. offenen Kreisschau des Kreisverbandes Sangerhausen die Bewertung vor und vergaben 29-mal das höchste Prädikat "vorzüglich".

"Wir haben hier hervorragende Tiere", begründete Marco Probst, Verantwortlicher für Öffentlichkeitsarbeit beim Kreisverband, und wies darauf hin, dass etwa knapp die Hälfte aller Tiere die zweitbeste Auszeichnung "hervorragend" bekamen.

Obwohl immerhin acht Jungzüchter ausstellten, suchen die Vereine händeringend nach Nachwuchs. Tim Wege aus Bornstedt war einer davon, der am Sonntag seinen 14. Pokal mit nach Hause nehmen durfte. Der gesellt sich dann zu den anderen ins Regal im Kinderzimmer. Seit drei Jahren gehört der mittlerweile Neunjährige zum Rassekaninchenzuchtverein Holdenstedt und züchtet Blaue Wiener. Für seine Sammlung der vier bewerteten Tiere erhielt er 384,5 von 400 Punkten. Sein Großvater Gerd Wege, der die Faszination für dieses Hobby bei seinem Enkel entfacht hat, freute sich: "Bei jeder Ausstellung, wo er war, hat er bisher etwas gewonnen." Von seinem Opa, der schon über 40 Jahre Kaninchen und vor allem Deutsche Kleinwidder wildfarben züchtet, bekommt der Enkel natürlich den ein oder anderen Tipp, damit die Tiere vor den Preisrichtern den besten Eindruck hinterlassen: "Einfach herausnehmen und streicheln, damit sie sich gut hinsetzen und nicht allzu sehr scheuen", erzählte der 67-Jährige, der den Kreisverbandsehrenpreis erhielt (386,5 Punkte). Die Kosten für die Versorgung eines Häschens seien überschaubar und betrügen etwa 60 Euro pro Jahr, nannte Probst eine Summe für Familien, die sich für Rassekaninchen interessierten. Das Tier muss gefallen und der Besitzer tierbegeistert sein. "Man muss mit dem Tier leben und nicht nur einmal täglich am Stall vorbeischauen", mahnte er.

Joana und Justin Karsten Lüdecke haben sich das fest vorgenommen. Um richtig zu züchten, sollen nun auch Fachbücher angeschafft und eine Vereinsmitgliedschaft angestrebt werden. Seit zwei Jahren besuchen sie Ausstellungen und schauen nach interessanten Rassen. "Hier gibt es viele schöne Kaninchen, die uns gefallen", schwärmte die 19-jährige Allstedterin.

Einen stattlichen Holländer mit schwarzweißer Musterung und einen Widder mit Hängeohren nahmen sie am Samstag gleich mit nach Hause. "Das ist eine schwere Züchtung", so Ludwig Hutterer, Vorsitzender des Allstedter Rassekaninchenzuchtvereins. "Die ringförmige Abtrennung von Schwarz und Weiß darf nicht gezackt sein und auf dem Kopf muss die weiße Dreiecksblesse erscheinen", fachsimpelte der erfahrene Züchter mit den Jugendlichen. Vielleicht heimsen die Jugendlichen dann genau wie Horst und Katharina Böckl aus Bennungen mit ihren Deilenaaren (388 Punkte) die höchste Auszeichnung, den Landesverbandsehrenpreis ein.

Einen Ehrenpreis bekam zudem auch Marco Probst vom Holdenstedter Verein für seine schwarzen Meißener Widder. Gleichmäßig verteilte silberne Nadeln im Fell ist Besonderheit und Herausforderung zugleich bei dieser vom Aussterben bedrohten Rasse. Das reine Zuchtkaninchen mit einem Gewicht von um die fünf Kilogramm soll lediglich von zwei Züchtern in Sachsen-Anhalt, darunter Probst, gezüchtet werden. "Ende der 1980er Jahre gab es in ganz Europa nachweislich nur noch 50 Tiere, weil die Zucht sehr schwierig sei", erklärte er.

Die Vorbereitung auf die Bundesschau in Erfurt in wenigen Wochen sei verantwortlich für die niedrigere Beteiligung, die sonst bei rund 500 Tieren liege. So eine Ausstellung bedeute Stress für die Tiere. Sie verlieren dann an Gewicht und Form. Um möglichst viele Neuzüchter zu gewinnen, wird zur nächsten kreisoffenen Schau im November 2012 erstmalig zusammen mit den Rassekaninchenzüchtern auch der Kreisverband der Kleintierzüchter Mansfeld-Südharz ausstellen.

Dann, so schätzte Probst bereits heute ein, werden rund 1 200 Tiere zu sehen sein. Die Organisatoren freuen sich, wenn sie auch dann wieder zusätzlich Aussteller aus dem Kyffhäuserkreis, Sömmerda, dem Saalekreis Süd usw. begrüßen können.

 
 

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