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Mit bloßen Händen gegraben

VON JAN-OLE PRASSE, 08.09.11, 19:50h, aktualisiert 08.09.11, 20:15h

Vor Monaten begann das Museum mit der Restaurierung.

(FOTO: ARCHIV/DPA) Halle (Saale)/Sangerhausen/MZ.

Nur 15 Personen dürfen gleichzeitig auf das etwa drei Meter hohe Gerüst, in dessen Mitte sich die archäologische Sensation befindet. Dabei handelt es sich um einen etwa 7 000 Jahre alten, hölzernen Kastenbrunnen, der bei Ausgrabungen am künftigen Autobahndreieck Südharz (Niederröblingen) im Sommer 2009 entdeckt wurde. Er wird derzeit im Landesmuseum für Vorgeschichte in Halle restauriert, wo die Rarität am Donnerstag erstmals der Öffentlichkeit präsentiert wurde.

"Es ist das älteste Holzbauwerk in Sachsen-Anhalt", sagte die Archäologin Susanne Friederich, die die Grabungen an der Autobahn geleitet hat. Sie erstreckten sich auf ein 1,2 Kilometer langes und 12,4 Hektar großes Areal an der künftigen A 71 zwischen Ober- und Niederröblingen.

Da der Brunnen in einem feuchten Lehmboden lag, ist die quadratische Holzkonstruktion beinah vollständig erhalten geblieben. Denn Wasser hielt die Luft außen vor und konservierte den Brunnen. Damit das auch so bleibt, muss das Fundstück alle 30 Minuten bewässert werden. Wie Friederich sagte, ist der Brunnen am Rande einer Siedlung bei Oberröblingen entdeckt worden, die über eine Zeit von rund 5 500 Jahren existiert hat. Die Besiedlung erstreckte sich von der Steinzeit über die Bronze- bis hin zur Eisenzeit. Vor rund 2 000 Jahren wurde die Ortschaft dann aus bisher unbekannten Gründen aufgegeben.

Die Archäologen schätzen, dass der Brunnen etwa viereinhalb Meter tief war. Sie haben den rund 22 Tonnen schweren Erdblock mit Spezialtechnik ins Museum nach Halle transportiert. Wie der zuständige Archäologe René Wollenweber sagte, hätten die Jungsteinzeitmenschen mangels anderer Werkzeuge das Wasserloch "mit bloßen Händen" ausgehoben. Um das Trinkwasser aus dem Brunnen zu schöpfen, nutzten die Menschen vermutlich Bastmatten, die sie mit Hilfe einer Klemmschiene aus Knochen zu einem Beutel formten. Heute werden solche Schienen bei Bewerbungsmappe eingesetzt - allerdings aus Plastik. Warum der Brunnen überhaupt gebaut wurde, ist noch nicht endgültig geklärt. Schließlich lag der Fluss Helme nahe der Siedlung.

Projektleiterin Friederich vermutet deswegen, dass vor 7 000 Jahren die Helme durch Ackerbau und Viehzucht keine Trinkwasserqualität mehr hatte. Der Kastenbrunnen ist für die Archäologen auch sonst eine wahre Goldgrube. Die Steinzeitmenschen hatten später anscheinend keinen Bedarf mehr für den Brunnen, so dass sie ihn als "Müllhalde" nutzten. Im Inneren sind alle organischen Reste wie Pflanzen, Bauschutt und Essensreste erhalten geblieben, die nun Stück für Stück abgetragen werden. "Wir gehen vor wie Kriminalisten", erklärte Wollenweber. Die Archäologen erhoffen sich Erkenntnisse über das Wegwerfverhalten der Steinzeitmenschen. In ein bis zwei Jahren soll der Brunnen im Museum in Halle zu sehen sein.

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